Die Hochebene von Anacapri musste wegen ihrer Höhenlage und wegen der Ost-und Nordwestwinde für die Römer, welche keineswegs so auf die Meerbäder versessen waren wie wir, mehr als für uns einen idealen Sommeraufenthalt darstellen. Erscheint doch Anacapri mit dem bewaldeten und leicht abfallenden Monte Solaro im Rücken, mit seinen Eichenwäldern , seinen Wacholderbüschen, seinen Myrten und Ginsterbüschen und den verstreuten bescheidenen Häusern, getrennt von dem Rest der Insel durch einen felsigen Pass, wie in kleines Arkadien .Tiberius hat sicher mehr als Augustus den heimlichen und zarten Reiz dieser balsamischen Einsamkeit genossen. Augustus stieg vielleicht aus seiner am Meer gelegenen Villa "Palazzo a Mare" zu dem hoch gelegenen Belvedere der Villa Capodimonte hinauf, dass bei dem Pass lag, der Zugleich die Grenze zwischen den zwei so verschiedenen Welten von Capri und Anacapri bildete, aber Tiberius suchte nach den anderen Ruheplätzen, in dem noch unbekannten Arkadien. Die alte Siedlung von Anacapri, lag zu Nahe am Berg und zu weit von der Aussicht auf das Meer und man wählte lieber die ebenen Flächen und Terrassen am Rande des Plateaus wo jetzt die Villen und Gusthöfe Tiberino, Vitareto, Aiano und Monticello entstanden. Die Stelle jedoch , von der man die weiteste Aussicht genoss und die zugleich am bequesmsten von Meer aus zu erreichen war , blieb dem Kaiser vorbehalten. Hier entstand die Villa Damecuta.

Die Ausgrabung von Damecuta hat 1937 nach dem Abschluss der Grabungen in der Villa Jovis begonnen und wurde in zahlreichen Kampagnen bis 1948 fortgeführt: besonderen Verdienst darum erwarb Dr. Axel Munthe der dem Staat den Turm und das Terrain rundherum, das ihm gehörte, schenkte und damit die Freilegung und Systemation des wichtigsten Teiles der Villa ermöglichte. Leider sind die Ruinen planmässig zerstört worden, als auf dieser Ebene, die den Kanal zwischen Capri und Procida beherrschte, zur Zeit der bourbonischen Restauration und der Wiederbesetzung der Insel durch die Engländer, um wie beim Palazzo a mare Festungen und militärische Baracken zu errichten . Über die Funde, die während der militärischen Besetzung und später von Sammlern und den das Terrain bearbeitenden Bauern gemacht wurden, haben wir nur wenige und vage Nachrichten . Aber die Objekte, die bei den letzten Ausgrabungen geborgen wurden und das Vorhandensein von Fragmente von Säulen aus dem reinsten griechischen Marmor bezeugen, dass es auch hier wie in der anderen kaiserlichen Villa der Insel reiche Marmorfussböden, Stuckverzierungen, Wandmalereien und so manches wertvolle Kunstwerk gab. Demjenigen, der die Ebene und die Torre di Damecuta über die schlechten aber malerisch Maultierpfade von Anacapri oder , bequemer über die neue Fahrstrasse und den kurzen Fussweg, der zu den Ruinen fuhrt erreicht , drängt sich das Problem des antiken Zugangs zur Villa auf. Zwiefellos war der kürzeste und bequemste Zugang zu der Zeit, als Anacapri mit dem Hauptort nur durch einen felsigen Pass und mit dem Hafen durch die sogennante "Scala Fenicia "verbunden war, vom Meere aus: bei ruhiger See konnte man bei Punta di Gradola oder delle Gradelle anlegen, wo einige künstliche Einschnitte in den Felsen einen Platz zum Vertäuen der Schiffe und zum Landen erkennenlassen . Die erste Rast war dann bei der kleinen Villa Romana, die über dem Fels liegt, der das Gewölbe der Blauen Grotte bildet.Von hier aus konnte der Kaiser in einer Sänfte bis auf die Höhe des Kaps und zur Villa von Damecuta hinaufgetragen werden . Dieser Weg wurde auch für den Trasport von Materialen während des Baues der Villa benutzt . Die Villa, die auf dem offenen Plateau den frischen Westwinden ausgesetzt war, war haupsächlich in den Sommermonaten bewohnt: jede offizielle Residenz musste bei den ersten Anzeichen der kommenden herbstlichen Stürmen ihr Ende finden.Trotz der Zerstörungen ist bei der Ausgrabungen der bedeutendste Teil der Villa noch gut erhalten ans Tageslicht gekommen, nämlich die Gegend des Belvederes, die sich längs des Rückens der Ebene von einem Ende des Kaps zu anderen mit einer Anlage hinzog und sich treu in der kaiserlichen Loggia der Villa Jovis wiederholt . Auch hier läuft eine lange Loggia aussichtsreich auf Bögen und Pilastern von Osten nach Westen am Rande des ebenen Platzes entlang und bietet Zugang zum Ambulatio . Ihr erster Teil ist gerade, während der zweite höher liegt und einen Halbkreis bildet. Sie ist weniger großartig als die der Villa Jovis bietet aber vielleicht eine schönere, weitere und abwechslungsreichere Aussicht als diese. Der erste Teil entsprach der äusseren Loggia, die ein auf Säulen ruhenden Portikus darstellte, ein zweites Ambulatio mit Sitzen zum aus- ruhen.Und genau wie bei der Villa Jovis schloss sich auch hier am westlichen Ende der Loggia eine Gruppe von luxuriösen Wohnräumen mit einem Speisesaal an, von dem aus man die Ausssicht auf Küste und Meer und die Frische der Sommernächte geniessen konnte. Aber der merkwürdigste Teil der Villa ist unterhalb des mittelalterlichen Turmes. Unterhalb des Turmes befindet sich ein Alkoven und eine kleine Ausssichtsterrasse , die über dem Abgrund schwebt. Weiter gegen Osten gibt es unter der Loggia zwei weitere nicht grosse Wohnräume . Wer sich erinnert in welcher Weise Tiberius es verstanden hat, seine Privatgemächer abzusondern, wird dazu verführt, auch in dieser kleinen Gruppe von Räumen, die allerdings eher für einen romantischen Träumer als für einen Kaiser geeignet erscheinen, seine geheime Klause zu sehen . Eine unerwartete Entdeckung hat diese Hypothese Gewissheit werden lassen. Im Vorzimmer des Cubiculums wurde bei den letzten Ausgrabungen ein schöner Torso eines nackten Epheben ,der Narzissus oder Hyakinthos darstellt, gefunden. Und Plinius und Sueton bezeugen die Leidenschaft des Tiberius für die Kunst und Vorliebe, sein cubiculum mit Hauptwerken der Malerei und Skulpturen zu schmücken. Es kann sich bei der Entdeckung dieses hervorragend gearbeiteten Torso, eines Epheben im Cubiculum der kaiserlichen Villa von Damecuta unmöglich um einen Zufall handeln. Der berühmte Vesuv-Ausbruch von 79 nach Chr. liess auf Capri einen dichten Aschenregen fallen und beschädigte die Villa, die seitdem verlassen blieb.

Wie man hinkommt:
Von Anacapri von der Piazzale Cimitero aus mit dem Linienbus oder von der Piazza Vittoria aus mit dem Taxi (10 Min.).
Zu Fuβ von der Piazza Vittoria aus über die Via G. Orlandi, Via Pagliaro und Via Tuoro (30 Min.).

Besuchszeiten
von 9 Uhr bis eine Stunde vor Sonnenutergang