Pflanzen - und Tierwelt

Capris Flora

Die Mittelmeer-Macchie

Die Mittelmeer-Macchie ist zweifellos die am meisten verbreitete spontane Vegetation Capris. Ihre charakteristischen Formationen findet man denn auch an vielen Stellen der Insel, wo diese Bestände jeweils das einzige Grün in der Landschaft darstellen.

Die in der Regel dunkle Farbe der Wipfel und die Vielfalt an Straucharten sind die auffälligsten Merkmale dieser Macchie-Bestände, zu denen neben den Holzgewächsen und den Sträuchern vor allem Immergrüne und Sklerophyllen, das heißt hartlaubige Pflanzen mit meist kleinen Blättern, gehören.
Dieser eher beständigen Struktur steht eine bemerkenswerte Vielfalt der Flora gegenüber. Die Spezies der Macchie-Struktur können je nach Umweltbedingungen wieder anders sein. Es können daher mehrere Arten von Macchie definiert werden, wobei in jeder einzelnen eine oder mehrere Arten überwiegen, die unter anderen Gegebenheiten selten oder gar nicht vorhanden sind.

Baumeuphorbia

Dem ganzen Inselumfang entlang, aber auch gegen das Inselinnere, erscheint recht häufig eine ziemlich spärlich aussehende niedrige Küsten-Macchie, in der die Baumeuphorbie massiv vertreten ist.
Diese Art, die besonders zusammen mit dem Mastixstrauch und Rosmarin vorkommt, wächst sogar auf unwirtlichsten Felshängen, Geröllhalden, trockenstem, steinigem Gelände und auf nährstoffärmsten Böden.
Man findet sie besonders an den sonnigsten, steinigsten Hängen der Südseite der Insel, vor allem zwischen dem Arco Naturale und der Punta Tragara. Sie umfasst fast von allen Seiten die Ruinen der Villa Jovis. Sie erscheint, wenn auch weniger verbreitet, stellenweise auch an der Nordküste, wo sie vorwiegend an den steinigsten Orten zwischen Punta del Capo und Marina Grande vorkommt.
In dieser Art Macchie kann man die Euphorbia auch von weitem fast zu allen Jahreszeiten leicht ausfindig machen. Im Frühling fällt sie auf wegen der hellgrünen Färbung der neuen Sprosse, im Sommer hebt sie sich durch ihre braunroten Äste und Blätter von den dunkleren Wipfeln der anderen Sträucher ab.
Es ist interessant, das besondere Verhalten dieser Art zu beobachten: Sie verliert die Blätter im Sommer, um die Schäden durch Trockenheit in den heißesten Monaten in Grenzen zu halten.

Die Steineichenwälder

Die wichtigsten und größten Wälder auf Capri sind die Steineichenwälder, besonders der Wald, durch den die Haarnadelkurven der Straße nach Anacapri führen. Weitere, weniger große Fragmente von Steineichenwäldern wachsen rings um Villa Fersen auf der Nordostspitze der Insel und an einigen Stellen der Steilhänge, die den Arco Naturale mit Cala di Matermania verbinden.
Die Physiognomie dieser Wälder ist bedingt durch das Gefälle des Geländes, auf dem sie sich entwickelt haben. Sie bestehen hier entweder, weil diese Standorte nie landwirtschaftlich genutzt wurden (Ackerbau oder Viehwirtschaft) oder weil hier Ackerbau und Viehzucht seit geraumer Zeit nicht mehr ausgeübt werden.

M. Ricciardi und S. Mazzoleni, "Flora illustrata di Capri", Electa, Napoli, 1991

Capris Fauna

Die kleinen Mittelmeerinseln, äußerst spezielle Biota, können als eigentliche Evolutions-Werkstätten gelten. Ihre Tierwelt ist oft charakteristisch und extrem interessant, da sie hochgradig endemisch ist. Dominierend und am meisten diversifiziert sind die kleinen Wirbellosen. Aufgrund der Diversifikation der Lebensräume leben hier viele Gastropoden, Insekten und Spinnentiere, von denen einige auch endemisch sind. Die Vögel sind gut zu beobachten während der Zugperioden. Die ‘lautesten’ Gäste der Vegetation sind vor allem die kleinen Sperlingsvögel. Ihr Zwitschern, begleitet vom Getöse der Wellen, die sich an den Felsen brechen, ist allenorten auf der Insel ganz typisch.
“Und pünktlich zum Tagesende erscheint der Wanderfalke, der, hungrig oder liebesdurstig, über der Insel kreist”.

Die Migrationen. Italien und speziell Capri stellt durch die spezielle geographische Lage im Zentrum des Mittelmeers für alle Vögel eine Brücke dar auf dem Weg nach Afrika. Die Vögel begeben sich zweimal im Jahr in Schwärmen auf Wanderung auf der Suche nach besseren klimatischen und trophischen Bedingungen.
Besonders im Frühling kann man unzählige kleine Vögel beobachten. Die Insel liegt nämlich, wie der ganze tyrrhenische Küstenstreifen, auf der Durchflugstrecke aller Vögel, allen voran die Sperlingsvögel (Transsahara-Zieher), die aus den Überwinterungsquartieren im Süden der Sahara, wo sie überwintert haben, nach Zentraleuropa fliegen. Die gleichen Arten kann man auch im September beobachten, wenn sie bei nahendem Winter in die heißen Länder zurückkehren. Im Herbst ziehen hier weniger Vögel durch, einerseits, weil viele Arten eine andere Strecke benutzen (über Spanien oder den Balkan), andererseits, weil bestimmte Arten ohne Zwischenhalt in die Überwinterungsgebiete fliegen. Im Oktober und November, wenn die Beeren der Myrte und des Mastixstrauchs und die Oliven reif sind, findet eine Migrationsfluss der Arten, die auf der Insel überwintern, über kleine Distanzen statt (innerhalb Europas).

Vorkommende Tierarten

Vögel

Coturnix coturnix (Wachtel)

Die Wachtel ist ein kleiner “Hühnervogel”. Sie ist schwierig zu finden; ihr Gefieder ist rötlich, mit schwarzen und weißen Tupfen. Früher kam sie sehr häufig vor, man jagte sie mit Netzen und Fallen und der Wachtel-Handel gehörte zu einer der wichtigsten Einnahmequellen der Insel.

Erithacus nubecola (Rotkehlchen)

Kleiner Sperlingsvogel, seine orangefarbene Brust weist rötliche Schattierungen auf (wird als Angriffssignal benutzt). Er fällt auf, wenn er die Farben seiner Federn zeigt, um das Territorium zu verteidigen.

Falco peregrinus (Wanderfalke)

Einer der elegantesten Falken. Lebt auf Felsen, wo er nistet und von wo er zum Jagen ausfliegt. Er stürzt sich mit spektakulärer Geschwindigkeit auf seine Beute.

Scolopax rusticola (Waldschnepfe)

Wird gejagt wegen ihres vorzüglich schmeckenden Fleisches, aufgrund ihres langsamen Flugs eine leichte Beute der Jäger. Sie kann in alle Richtungen sehen, ohne den Kopf drehen zu müssen, da ihre Augen sehr weit hinten liegen und ihr Sichtfeld sich überschneidet.

Turdus merula (Amsel)

Die Amsel ist einer der Vögel, der sich am besten an die vom Menschen geschaffenen Veränderungen der Lebensräume angepasst hat. Man beobachtet sie leicht in Gärten, wo sie nach Würmern und Insekten und im Herbst nach Beeren und Früchten, besonders Efeu, sucht.

Reptilien

Tarentola mauritanica (Mauergecko)

Ziemlich häufig vorkommender Gecko, etwa 10 cm groß. Man kann ihn besonders am Abend leicht beobachten, während er den Mauern entlang kleine Falter oder andere Insekten jagt. Er unterscheidet sich vom europäischen Halbfingergecko (Hemidactylus turcicus) durch ein Haftorgan, das aus einer einzigen Reihe von Haftlamellen besteht.

Fische

Anthias anthias (Rötling)

Aristoteles hatte den Namen einem Fisch gegeben, der, so glaubte man, dazu fähig war, Raubtiere fern zu halten und so die Fischer zu schützen. Er lebt in kleinen Schwärmen in felsigen und korallinen Gebieten in der Nähe von Klüften und Höhlen.

Conger conger (Meeraal)

Der Meeraal sieht einer Muräne ähnlich. Seine Haut ist von grauer Farbe, schuppenlos und mit Schleim bedeckt. Das Tier ist sehr aggressiv, bleibt tagsüber in Felsspalten verborgen und kommt nachts zur Jagd hervor.

Diplodus annularis (Ringelbrasse)

Kleine Brasse, Färbung goldähnlich mit grünlichen Schattierungen. Man findet sie in niedrigem Gewässer mit felsigem Untergrund oder in Seegras-Wiesen. Wie alle “Diplodus”-Arten ist sie ein Zwitter.

Epinephelus guaza (Zackenbarsch)

Der Ehrgeiz aller Unterwasserjäger. Form und Färbung sind unvergleichlich. Zu Tarnungszwecken kann der Zackenbarsch unzählige chromatische Veränderungen annehmen. Lebt in felsigem Untergrund zwischen wenigen Metern Tiefe bis über 200 Meter. Sehr selten!

Mugil cephalus (Meeräsche)

Lebt in großen Schwärmen an der Wasseroberfläche in Küstennähe, wo er sich von kleinen Organismen und verwesenden Substanzen ernährt. In Sardinien legt man seine Eier in Salz ein, um den Rogen (Bottarga) zuzubereiten.

(Dr. Gennaro Aprea, Capri, 2004)

Die blaue Ruineneidechse der Faraglioni

Die Inseln können wegen ihrer kleineren Dimensionen als natürliche Werkstätten der Evolution gelten: auf Inseln können nur wenige Arten überleben, und die Isolation ist der Entstehung neuer Arten förderlich. Schon immer übten Inseln auf Naturforscher eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Eine der wichtigsten Ursachen dafür ist, dass man hier die Evolutionen erforschen kann, die zur Artenvielfalt führen.

Unter den Wirbeltieren der Inseln des Mittelmeerbeckens weisen die Reptilien einen hohen Grad an Endemizität auf. Besonders die Tiere von der Art Podarcis, die zur Familie der Lacertidae gehören. Dieser Artikel behandelt eine Unterart der Ruineneidechse Podarcis sicula. Sie ist von den Inseln des Tyrrhenischen Meers bis zum Apennin und von Istrien bis zum Marmarameer verbreitet.

Die Ruineneidechse ist in etwa fünfzig Unterarten unterteilt. Eine sehr seltene davon ist die Podarcis sicula coerulea (blaue Eidechse), die ausschließlich auf den Faraglioni von Capri lebt. Die Podarcis sicula coerulea besitzt eine besondere blaue Färbung des Halses, des Bauchs, der Flanken und der Schwanzunterseite und eine schwärzliche Rückenfärbung. Sie hat eine elegante Körperform, einen gut erkennbaren Kopf, eine flache gespaltene, einziehbare Zunge, Augen mit beweglichen Lidern und runden Pupillen. Sie ist sehr lebhaft; die Männchen sind Reviertiere. Besonders während der Brunftzeit raufen sie miteinander, auch wenn in der Regel diese Kämpfe ritualisiert sind. Sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten. Der Melanismus, das Phänomen, das zur Verdunkelung des Rückens und der Bauchteile führt, erleichtert die Temperaturregelung. Die Reptilien heißen schließlich auch Kaltblütler oder besser ectotherme Poikilotherme und sind demzufolge nur aktiv, wenn die Körpertemperatur, die durch die thermischen Umweltbedingungen bestimmt wird, zum Ausüben der Lebensfunktionen ausreicht. Nach der Meinung einiger Naturforscher absorbiert die schwärzliche Färbung des Bauchs die Wärme besser und gestattet der Podarcis sicula coerulea, bereits auf Jagd zu gehen, bevor die typischen, heller gefärbten Eidechsen sich bewegen können. Dies ist nicht zuletzt auch den Fortpflanzungsfunktionen förderlich.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entfesselte die Entdeckung dieser neuen "Art" einen heißen Disput zwischen den beiden europäischen Zoologen Bedriaga und Eimer; der Grund dafür war das Vorrecht der Entdeckung. Auf jeden Fall war es der Herpetologe Eimer, der 1872 als Erster die Beschreibung der blauen Eidechse publizierte. Die modernen taxonomischen Untersuchungen haben allerdings ergeben, dass die auf den Faraglioni lebende Population der blauen Eidechse nicht eine neue Art darstellt, sondern eine der vielen Varianten der Ruineneidechse ist. Wir hoffen, dass es der blauen Eidechse nicht so ergeht wie der Podarcis sicula sanctistephani der Insel Santo Stefano (ponzianische Inseln), die aus unbekannten Gründen zwischen 1900 und 1910 ausstarb. (R. M. Cipolla, Oktober 2000)


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