Wenn Fischer Antonio bei Tagesanbruch seinen Kutter zurück in die Marina Piccola - den kleineren der bei den Häfen Capris - steuert, so zeigt sich ihm die Insel im Golf von Neapel von ihrer urtümlichsten Seite: Majestätisch und noch völlig menschenleer liegt sie da und die ersten Sonnenstrahlen lassen ihre Schönheit makellos rein erscheinen.

Magische Anziehung. Schon 26 n.Chr. konnte sich der römische Kaiser Tiberius dem Charme der malerischen Insel nicht entziehen. Er wählte Capri als seinen Regierungssitz und residierte bis zu seinem Tod im Jahr 37 n.Chr. in der imposant gelegenen ,,Villa Jovis", die heute noch zu den wichtigsten Attraktionen der Insel zählt. 1826 entdeckte der deutsche Maler und Schriftsteller August Kopisch die legendäre ,,Grotta Azzura" (Blaue Grotte) und machte die nur fünf Kilometer vom Festland entfernte Insel damit um einen bedeutenden Anziehungspunkt reicher. So gaben sich bereits ab 1850 eine Viel zahl an prominenten Künstlern in Capri ein Stelldichein und.
verbrachten oft mehrere Jahre ihres Schaffens in der inspirierenden, landschaftlich eindrücklichen Umgebung.

Weltenbummler. Heute prallen auf der autofreien Insel (von Frühling bis Spätherbst ist das Autofahren hier nur den Capresen selbst erlaubt) Tag für Tag drei Welten aufeinander: Die der Tagesgäste, von denen mehr als 15.000 an schönen Sommertagen die Insel für wenige Stunden erkunden, die der Einheimischen sowie die des internationalen Jet-Sets. Und so unterschiedlich diese Welten auch sind, so verbindet sie dabei dennoch eines: Sie lieben und schätzen alle die Schönheit Capris und tun einander in ihrer Begeisterung nicht weh.

Tagestrip. Denn angekommen an der Marina Grande, der größten Boots-Anlegestelle der Insel, begeben sich die Tagesgäste zumeist mit der Funicolare (Standseilbahn) hinauf zur legendären Piazza Umberto - auch liebevoll ,,La Piazzetta" genannt - und tauchen von hier aus in die Welt der Luxusboutiquen und Nobelsouvenirläden ein.
Wer etwas mehr Zeit hat, macht sich noch mit dem Bus auf in den etwas höher gelegenen Nachbarort der Stadt Capri, Anacapri, und lässt sich mit einem Sessellift auf den Monte Solaro (mit 589 Metern der höchste Berg der Insel) bringen. Von dort aus genießt man den traumhaften Rundumblick auf Capri selbst, den Golf von Neapel und weiter entfernt Ponza, den Apennin und die Berge im Süden Kalabriens.

Schichtwechsel. Am späteren Nachmittag leert sich die Insel wieder allmählich. Die letzten Tagesgäste besteigen ihre Boote und zum ersten Mal seit dem Morgengrauen zeigt Capri wieder sein wahres Gesicht. Langsam füllen sich die Straßen und Plätze mit dem lebhaften Geplauder der Einheimischen, die sich wie Fischer Antonio mit Freunden treffen, gemeinsam einen Aperitif trinken und den vielgepriesenen Sonnenuntergang genießen. Und gar nicht selten kommt es vor, dass auch Weltstars und königliche Hoheiten ihre Villen und Jachten verlassen und sich dezent unter die Capresen mischen. Denn: ,,Den Anblick von Prominenten sind wir gewohnt" meinen die Inselbewohner und lassen die hohen Gäste das ,,dolce far niente" ungestört genießen... Ganz Capri eben.