Capri is back, man liest es allenthalben', Die Society hat wieder Kurs auf die Insel vor Neapel genommen. Im handgenahten Gepäck führt sie den passenden Lebensstil locker, lässig und sehr, sehr teuer. Diego della Valle, Herrscher aller Noppenrohlen namens Tod's, der FerrariBoss Luca di Montezemolo Luciano Pavarotti, Calvin Klein, Modemacher mir der Mimik eines Gummibandes ... Sir steuern, on Sardinien kommend, auf ihren Yachten die Marina Grands an. Nicks ohne einen leicht angewiderten Bick auf die Ladung Mensch geworfen zu haben, daytipper dir eben wieder von einem der Karamarane ausgespuckt wurde, verschwinden sic oben irgendwo hinter Bougainvil_ Ieaüberkrusteten Mauern in einem der Palazzi. Hanglage mir Panoramaclick auf die Faraglioni Felsen, Grid, was willst du mehr!
Van einer Renaissance its also au berichten. Umgehend machte sie hei allen GalaBlättern der Alten und Neuen Wels (roes ZelebritätenKoma, das ausbricht, kaum hohen sich mal drei Supernasen sogleich an irgendeinem Ort melt. Ob Vanity Fair oder Bunte dir Barschaft lauter: Alle hin (und wir auch)!
Sonderbare Gleichzeitigkeiten sind dir Feige. Es scheint, als trügen zwei Inseln den Namen Capri. Die eine ist ein Magnet für Touristen, din in sechs Stunden überprüfen, ab es das tatsachlich gibt: Blaue Gerne, Villa Tiberius, Villa Axel Munthe. Ein überstrapazierter Markenartikel, weltbekannt, verkitscht, zertrampelt. Dir andere Insel erwacht eras nach 10 Uhr, wean der letzte Trupp die Funicolare, dir Zahnradbahn, hinunter zum Hafen genommen bar. Ausatmen> aufatmen. je., kehrt südliches Lauterfaire auf den Gassen
ein, bisschen 'kuppen, ein Espresso, in der Bar Tiberio Voyeure, Menschen also, dir selbst die vermutete Nähe zu posh people als Champagnerdusche er leben, hemmen auf diesen acht Quadratkilometern großartig auf ihre Ketten. Namen sind Schall und Ranch? Irrtum. Namen sind Fantasie! Sind Mauern, manikürte Gärten, schwere Tore mit chmiedeeisernen Blütenornamenten und Überwachungskameras, dun schon eher. Das ist die Villa von Rocco Barocco. Da drüben lags das Ham von Diego della Valle zwischen Zypressen hervor. Da wohnt Valentino, wenn er im Sommer kommt. Dimes Ham hat Fiona Swarovski gekauft. jetzt hält sie Hof mit Ehemann Nummer drei. So geht es auf Capri alle 50 Meter. Nach vie,, fünf Nam en rainnett man sich an Sartre: Die Hülle, das sind die an, sell es immer noch Menschen geben, die nach nie da waren. Nach NIE. Und das, wo dank Capri tin Ort ist, der vor Schönheit nun to strotz Hier and da bietet sich freilich auch Gelegenheit, sich Gedanken zu machen um dir Fragilität von Schönheit. Zum Beispiel unten am Hafen, wo Capri etwa as, schön ist wir ein verlauster Bahnhofsplatz irgendwo auf der Welt, mit schäbigen Bans und dem Geruch brackigen Wassers. Schön muss man auch den Rummel vor der Blauen Grotte nicht finden, ma durchtrainierte Lizenzruderer auch den unbeholfensten Touris von den Vaporettos in ihre Nussschalen hinab helfen, am im Minutentakt ein Weltwunder vorzuführen Übrigen, wird berichten, dais immer wirder mal Japaner in Tränen brechen, wenn tie zufallig einen jener Tage erwischt haben, an denen men stürmisch ist, um die Genie au besichtigen. Grotta azzurro no!
Alle Logos sind schon da »Die Blaue Grotte its bekannter sit der Eiffelturm« tags Elio Sica, der reiz knapp 30 Jahren dir Touristenströme auf Capri lenkt, Er sieht nicht besonders glücklich aus dabei. Denn bei lb 000 Tagestouristen, liegt die Schsllgeenar, mehr itteinfach nicht zu bewältigen. Diese 16 000 bereiten Probleme genug, was den Platzbedarf in den engen Gassen, was Strom, Wasser and Müll betrifft. Dermit gibt m 60 Schiffsverbindungen täglich nach Capri. Zu gern würden dir Reedereien nach mehr einrichten. Aber Signar Sica tagt: Es reicht.
Ein Ort der Gefallsucht also. Weil die Natur an gefällt, Wellen auch die Menschen gefallen. Sureklärt er sich, dass Capri plötzlich ein Hot Spot sämtlicher angesagter Modemarken wurde. Die winzigen Läden, flagships en miniature, stoßen tick, bildlich gesprochen, die KaschmirEllenbogen in die Rippen Gucci, Prada, Moschino, Dolce & Gabbana, nicht eavergerten Roberto Cavalli der Lieblingsdesigner der PopSociety.
Die Mieten der Ladenlokale sind ins Astern,mische gestiegen. Schon wird er schwierig, einen ganz normalen Bücher zwischen Via Camerelle and Via Emanuele na finden. Und der Hype geht weiter: Nach in diesem Sommer will Prada eben neben der zentralen Piazzetta einen Superstore eröffnen, größer als aller, was bislang üblich was. Wer sich darn eindeckt mir den blauwaißen Sarnifenpullis zum weit schwingenden rosafarbenen Rock?Amerikaner natürlich, nicht nur diejenigen, din dir 3500 Betten auf Capri füllen. Nein, sin kommen herüber van Sorrent and Positano Dir Capreser hingegen Pokern zum Einkaufen inzwischen lieber nach Neapel. Eine Art Überhitzung, die jene klimatische der Monats August mühelos in den Schatten stelle. Verkäuferin in einem dieser Läden zu aria bedeutet übrigens, unendlich re
flektiv din Ware in Fenstern and Schaukästen to au arrauginern, data dir Leere Begehrlichkeit weckt. Auf dass die Flanierenden der Vermutung erliegen, durch Insignien des Outfits in irgendeiner Write teilhaben zu können am coolen Treiben hinter den o.e. Mauern: Diese Illusion ist der unique selling point dieser Läden. Ob dir Rechnung tatsächlich aufgeht? Geschäftsgeheimnis.
Wer nun aus all dem Vorangegangenen den Schluss zieht, man führe besser nicht hin, weil dir Vorstellung von Capri ohnehin schöner sei als die Wirklichkeit, den wellen mir erlösen. Dieses unwirkliche Blau, so blau, data in= schreien möchte! Dien Licht ringsum, das verachwenderische Leuchten, dir üppige Allgegenwart van Wein, Aprikose., Rasen ... Karg gehaltenen Nurdlichtern aller Couleur kann an viel Oberfluss leicht den Verstand rauben. Selbst am Tage gibt er Nischen, in denen sich Stille and Idylle treffen, auch wenn er kaum es glauben its. Hier ein kleiner Wegweise, zu Flecken, wo ein Rast davon zu spüren ist, was einmal dir unglaubliche Leichtigkeit dm Seins an dies,. Ort ausgemacht ham. Das Spin heißt: Vermeide dir vielen, und es geht ungefähr so:
Erste Station: Van Anacapri ans immer nach Westen zu Fuß rum Belvedere della Migliara. Anfangs führt der Weg mitten durch die Gärten; Mandelbäume, Kapuzinerkresse und Glyzinien rahmen den Blick aufs Mater ein. Dann werden die Häuser spärlicher, bis sich am Ende die kleine Plattform öffnet: 1000DollarBlick Nummer eins. Schroffe Felsen in Grüngrau links, schroffe Felsen rechts unten Wellen. Rechter Hand in der Tiefe der berühmte Leuchtturm Punta Carena, irgendwie Abschied und Ende darstellend. Das Atemberaubende aber ist die blaue Seide über dem Felsvorsprung, viele, viele Ballen davon, sich bauschend und fältelnd im Spiel mit dem Wind. Yves Klein sahen Sie sich das an: nichts außer Azurblau, Türkisblau, Himmelblau, Preußischblau, Ultramarinblau. Nichts zusehen außer Pinien, Tamarisken und blühendem Ginster, Nichts zu hören außer dem auf und abschwellenden Wind in den Pinien und dem Rauschen tief unten. Nichts zu ahnen außer einem unbegrenzt südlichen Gefühl, das irgendwo dort hinten, wo Meer und Himmel aneinander stoßen, im Ungefähren verßchwimmt.
Kein Ziel für Tiefenpaniker und Depressive. Das Licht unten in der Bucht zittert und tanzt, in hypnotisierenden Rhythmen, in monotonen Wellenlinien, auf und ab. Bis uns schwindelt.
»Depressionen sind keine Seltenheit bei units, sagt Donatella, die Capreser Freundin. Wie, hier: mitten in diesem verschwenderischen Licht, der Wärme, den Farben? »Doch«, beharrt sie. »Es sind diese scharfen Gegensätze, weißt du.« Das Meer so weit, die Gipfel so nah. Im Winter die Einsamkeit und Isolation, im Sommer die drängende Fülle, die Hektik. »Keiner von uns Capresen kommt zwischen April und Oktober zum Luftholen, lst das vorbei, passiert sechs Monate gar nichts. Eine schlechte Balance.«Balance ist das Geheimnis der Möwen. Drei, vier Flügelschläge, dann wieder dieses Gleiten, das nichts von Anstrengung weiß. Hinaufschrauben, herunterfallen, füllen, fallen, tiefer fallen, noch tiefer, in das Blau dort unten
Jetzt. Genau hier. Gelegenheit, die Flügel auszubreiten, ganz weit, den sanften Luftzug zu spüren, der plötzlich alles leicht macht. Dann abwärts, hinein, einfach den Boden hinter sich lassen und die Erdenschwere. Gerade ist das Holzgeländer noch imstande, uns aufzuhalten. «Komm jetzt», sagt Donatella.
Zweiter Ort: Mit dem Sessellift hinauf auf den Monte Solaro. Knapp streichen die Füße hinweg über Kartoffeln, Erbsen und Bohnen, die in den kleinen Gärten am Hang oberhalb von Anacapri gedeihen, ohne dass die Gärtner viel Mühe darauf verwenden müssten. Zwölf Minuten, und die Insel liegt uns als lang gestreckter Rücken zu Füßen. Oben liegt das windige Plateau, eine kleine Bar, eine Gipsstatue von Kaiser Augustus, der mit erhobenem Arm nach Sorrent hinübergrüßt. Salve, Augustus. Ohne Respekt vor historischen Zusammenhängen fläzt man sich in einen Liegestuhl und lässt den Blick schweifen, wackelt dazu mit den Zehen im weiten Rund des Horizonts, kann dösen, träumen, lesen und sehr, sehr zufrieden sein. Mehr als vier, fünf andere Menschen, die die gleiche Idee haben und nicht weiter stören, sind hier nicht zu treffen.

Die Nahe, so fern das tauscht
Anderswo auf der Welt gibt es Landschaft, sie liegt einfach da, als hätte sie es immer schon gegeben. Hier ist das anders. Auf Capri passiert Landschaft. Liegt es an den kalkigschroffen Felsen, die ringsum auf das Meer zustürzen wie im grimmigen Entschluss? Liegt es an dem Licht, vom Wasser herangetragen und irisierend von stumpfem Grau bis ins Violett? Hier oben ist plötzlich die Ahnung groß, einer Täuschung erlegen zu sein: Die jagende Persepktive, die steil abfallenden Schluchten verschieben jedes Gefühl für Abstand, für Entfernung und Proportion. Wie seltsam, vor 30 Minuten noch in einem dieser weißen Boote gesessen
zu haben, nicht größer als ein Babyfingernagel, die unten an der' grünen Grotte vorbeituckern. Wie tief das ist, wie endlos sich das streckt ... Capri ein Ort der Trugbilder und Phantome. Wo ist das Alltagsgesicht der Insel? Mit Arzt und Schule und Ehekrach?
Eskapismus pur: Dafür bot dieser Fokus aller ItalienSehnsucht immer wieder die ideale Kulisse. Im 19. Jahrhundert zog die Insel vor allem Poeten, Komponisten und Maier an (Heine, Liszt und, unvermeidlich, Rilke); dann kurzes Zwischenhoch mit Friedrich Krupp, der eine Art homoerotisches Comingout zelebrierte; schließlich: die zitronengelbe Nachkriegsidylle der fünfziger Jahre, begossen in endlosen LimoncelloOrgien der Show und Filmcrews. Jetzt ist es vorwiegend frisches Geld aus Medien, Mode und ECommerce, das sich hier trifft und feiert.

Nach dem Absturz die letzte Ruhe
Aber dann fanden wir, ultimative Station, den einsamsten Ort von Capri überhaupt. Gerade mal eine Viertelstunde zu Fuß von der Piazzetta entfernt, direkt an der staubigen Straße hinunter zur Marina Grande. Kaum ein Lebender verirrt sich hierher, denn hier ruhen die Toten. Obgleich der Ort eingeklemmt wird zwischen einem Schrottplatz und einem Bauhof, lässt sich ohne Übertreibung sagen, dass seine Lage beneidenswert ist. Genau: 1000DollarBlick Nummer drei.
Ein Tor öffnet sich knarrend, und dann stehen wir auf dem Non Catholic Cemetery, dem 1889 gegründeten Friedhof für Ausländer, wie die Tafel vermerkt: «irrespective of race or religion». Das waren nicht wenige. Ein zauberischer Ort, an dem, kein Widerspruch, das alte Europa lebt. Auf bemoosten Ziegelwegen wandert der Besucher zwischen Pinien und Ginster durch Lebenslinien und Dramen hindurch, die hier ihr Ende, ihre Klimax fanden. Marmor, verschwenderisch eingesetzt für Säulen, Kreuze und Amphoren, Bögen und Stelen. Die Gräber selbst: bucklig, uneben,
überwuchert von Brennnesseln und verwilderten Rosen. Die Begrabenen: geboren in NewYork und Kiew, in Riga, Budapest und in Berlin. Ein dänischer Sozialdemokrat liegt neben einem türkischen Konsul, ein «dorrore amato» neben einem schwedischen Lebenskünstler, den eine Überdosis Kokain hierher brachte, »Selig der, des Lebensfrucht gereift ist, denn er wandert friedlich in den Abend, den ein gnädig Schicksal ihm gewahrt hat ..», ein besänftigendes Resümee in Stein gehauen.
Ach, so gnädig lächelte das Schicksal eben nicht. Sie kamen her, getrieben meist vom fatalen Ziehen in der Herzgegend und gewiss auch vom Klima der Libertinage, die hier gedieh. So der Baron von Fersen, der die Sache mit den Capreser Lustknaben erfunden zuhaben scheint. Andere aber zahlten für ihren Traum. Auch ein baltischer Baron Rehden, dem an seiner Wiege sicher niemand sang, dass er einer Mesalliance wegen seine Tage als Portier des Hotel Quisisana beschließen würde (wo er wohl den einen oder oderen Standesgenossen begrüßén durfte). Um glatt 30 Jahre überlebte seine Frau Rhea ihn, Kirchgängerin bis ins hohe Alter, wie die Annalen der deutschen Gemeinde belegen. Mach End, o Herr, mach Ende! Hier, mit Blick auf den Golf von Neapel, den Jüngsten Tag erwarten. Schlafen, träumen ja, da liegt's ...

Dann kommt der Sturm, völlig unerwartet. Er wühlt in den Kronen der Korkeichen und Pinien, er knickt Zitronenbäume, reißt Bougainvillearispen ab und Lorbeerblatter. Er klappert an den dünnen Fensterscheiben und schüttet gleich eine ganze Schubkarre voller Blütenblätter auf die Stufen der Via Tragara. Blau ist plötzlich nichts als eine Unbekannte, eine Erinnerung. Und hier ist es, das Alltagsgesicht der Insel. In diesem Moment, aller Klischees, aller vordergründigen Reize beraubt, zeigt sie ihre Schönheit. Die Spur Wildheit, die ihr sonst längst ausgetrieben schien. Beilissima!