„La lotta per la vita si traduce in bellezza" (Aus dem Kampf ums Leben entsteht Schönheit). Dieser weise Satz passt für vieles, besonders aber für Capri. Was macht diese Felseninsel mit den steilen Abstürzen zum Meer so faszinierend? Jedes Fleckchen bebaubares Land muss mühselig bearbeitet werden. Die meisten Häuser stehen knapp über dem Abgrund. Material transportieren, einkaufen, Freunde besuchen all das ist auf Capri nicht einfach. Die Straßen sind eng und kurvig, der öffentliche Minibus hat Mühe, sich zwischen Felsen und Hausmauern hindurchzumanövrieren. Im Winter heißt es, Stille und manchmal auch Einsamkeit zu ertragen, im Sommer die Masse der Touristen. Aber wir wissen: Was leicht und bequem zu handhaben ist, zählt nicht immer zu unseren Herzbinckerln.
Die Ankunft ist denkbar banal und turbulent. Mit aberhundert anderen Passagieren wird man aus dem Bauch des Fährschiffes auf die Mole gekippt, nimmt den Bus oder die Zahnradbahn vom Hafen zur Stadt Capri und schon ist es passiert: Capri hat uns in seinen Bann geschlagen. Der Blick von der Terrasse ist Versprechen, Verlockung: Zu Füßen der Hafen, im Osten eine beschauliche Gartenlandschaft, im Westen weiße Villen im Dunkelgrün der mediterranen Macchia auf Hügeln und Felsen verstreut. Ein paar Schritte weiter und schon steht man auf der „Piazzetta". Einfach ,,Piazzetta". Sie hat wohl irgendeinen offiziellen Namen, aber jedermann nennt sie nur "La Piazzetta". Ihre Einmaligkeit und Berühmtheit verdankt sie einerseits den vier eleganten Cafés, die den Platz zu einem vornehmen Salon gestalten, und der schwungvollen Freitreppe der Kirche Santo Stefano. Auf der Piazzetta sitzt man bei einem Cappuccino oder Campari und beobachtet das Kommen und Gehen wie auf einer Bühne. Attraktivste Akteure sind die Kellner in ihren weißen Smokingjacken. Sie sehen nonchalant über Kleidersünden so mancher Touristen hinweg. Als Nachrichtenübermittler sind sie für die Capresi ungemein wichtig. "Signor Roberto? Ja, der kommt heute Abend um sieben Uhr wie immer." Man kann sich auf diese Informationen verlassen. Ein unauffälliger Durchgang führt in die enge Via delle Botteghe mit den verführerischen Boutiquen. Besser Augen zu und durch! Über die Via Tragara erreicht man ganz gemütlich einen der "schönsten" Punkte der Insel es gibt so viele davon und immer ist der, wo man gerade ist, der schönste , den Belvedere di Tragara mit dem eindrucksvollen Blick auf die Faraglioni. Die untergehende Sonne beleuchtet die drei Felskegel und färbt sie rosarot, und die tänzerisch sich biegenden Zweige der dunkelgrünen Pinie rahmen sie zu einem perfekten Bild ein.

Abenteuer „Grotta Azzurra”. Der Hafenmeister gibt eines Morgens "Meer frei" für die Besichtigung der Grotta Azzurra. Die Gelegenheit muss man nützen, also nichts wie hin! Da heißt es einmal eine gute Stunde vor dem Eingang der Grotte mit circa zwanzig anderen Booten warten, warten, warten. Irgendwann ist man an der Reihe, wird in ein Miniruderboot gequetscht, der bärenstarke Bootsmann schwingt sich an einer Kette im Rhythmus der Wellen durch den schmalen Durchlass. Wenn man Pech hat, bekommt man das Ruder übers Knie und das Hinterteil des Charon ins Gesicht gepackt. Drinnen guckt man sich, noch leicht panisch von diesem gewagten Wellenritt, um ja, die Grotte ist tatsächlich blau. Aber schon heißt es wieder retour also dasselbe Manöver noch einmal.
Froh, dieses Abenteuer unbeschadet überstanden zu haben, stellt sich Sehnsucht nach Einsamkeit ein. Anacapri ist zwar nicht gerade ein einsamer Ort, aber doch weniger touristisch als CapriStadt. Die teuren, schicken Geschäfte fehlen. Hier wird der Alltag der Insel gelebt. Hotels und Restaurants bestimmen nicht das Stadtbild, sondern geben sich diskret. Größte Attraktion ist die Villa des schwedischen Arztes Axel Munthe. Sein Andenken wird darin liebevoll hochgehalten, der Frühstückstisch ist gedeckt, im Arbeitszimmer liegen Papier und Feder, als wäre Munthe nur für einen Augenblick weggegangen.
Von Anacapri führen romantische Wanderwege auf den Monte Solaro, den höchsten Berg der Insel oder zum Belvedere di Migliera. Neu eröffnet wurde der ,,Sentiero dei Fortini" (Weg der Festungen), der entlang der Westküste oberhalb der Grotta Azzurra beginnt und bis zum Leuchtturm an der "Punta Carena" führt. Eine Tageswanderung, die sich lohnt. Man marschiert immer oberhalb des tiefblauen Meeres, hin und wieder begegnet man einem Wanderer, sonst ist man allein mit dem Duft der Macchia, dem Wellenrauschen und den weißen Schaumlinien, die vorbeifahrende Schiffe im Wasser ziehen. In die Felsen eingebettet sind aufgeschlagene Bücher aus Keramik mit liebevoll gemachten Bildern der an Ort und Stelle wachsenden Pflanzen. Am Ende der Wanderung belohnt man sich mit einem Sprung ins Wasser.
Capri verzaubert und gibt Kraft. Deshalb hat sich Tiberius hierher zurückgezogen, als er von der Politik und den Intrigen in Rom genug hatte. Zwölf Villen soll er auf Capri bewohnt haben. Sein Winterpalast am Monte Tiberio lockt nur wenig Touristen an, denn der Weg von CapriStadt dorthin ist weit, aber wiederum einmalig schön. Alle Düfte Capris verführen Nase und Augen: Zitronenblüten, Rosen und der trockene Geruch der Piniennadeln in der Sonne. Hier wird Capri zur ländlichen Idylle. Wein, Obst und Gemüse gedeihen in den Gärten, die Häuser sind bescheiden. Tiberius allerdings lebte wahrhaft fürstlich. Die Ruinen sind weitläufig und mächtig.
Aus dem Capri der Fischer und Bauern wurde im 19. und 20. Jahrhundert das Capri der Maler, Schriftsteller, Intellektuellen, Schauspieler und reichen Nichtstuer. Der französische Baron Fersen lebte in der Villa Lysis für seine Amouren mit Jungen Männern, Friedrich Alfred Krupp liebte Capri über alles und baute eine spektakuläre Straße von CapriStadt zur Marina Piccola. Sie hat nur einen Fehler sie ist seit Jahren gesperrt. Curzio Malaparte baute auf einer Felsnase seine extravagante Villa im undezenten Rot und provokanten, faschistischen Stil. Capri wurde zum Mythos, dem niemand widerstehen konnte.
"Heute frisst uns dieser Mythos auf", sagen die einen. "Wir brauchen den Massentourismus", sagen die anderen, vor allem die Geschäftsleute. Man verspricht Lösungen. Die einzigen Versprechungen, die wirklich eingelöst werden, sind die der Abschiednehmenden: Sie versprechen alle, wie der zu kommen.

tipps & infos

ALLGEMEINE AUSKÜNFTE.
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Kärntner Ring 4, 1010 Wien,
T: 01/505 16 39, Fax: 505 02 48
delegation.wien@enit.at

ANREISE. Lauda Air fliegt vom 31. März bis 27. Oktober jeden Samstag WienNeapel und retour. Wien ab: 17.10, an Neapel: 19.15, retour: Neapel ab 20.05, an Wien: 21.45

HOTELS. Relais Maresca
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